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Anforderungen & Klarheit

Was ein gutes Software-Konzept leisten muss

Ein Software-Konzept soll Entscheidungen ermöglichen – nicht technische Details dokumentieren. Was ein Konzept wirklich enthalten muss, damit es seinen Zweck erfüllt.

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Was ein gutes Software-Konzept leisten muss

Was ein gutes Software-Konzept leisten muss

Bevor eine Software entwickelt wird, braucht es ein Konzept. Das klingt selbstverständlich. In der Praxis zeigt sich jedoch: Was unter einem Software-Konzept verstanden wird, unterscheidet sich erheblich. Manche meinen damit ein technisches Architektur-Dokument. Andere denken an eine Funktionsliste. Wieder andere verwechseln es mit dem Lastenheft.

Diese Unklarheit hat Folgen. Projekte starten mit Dokumenten, die zwar existieren, aber nicht das leisten, was sie sollen: eine fundierte Entscheidungsgrundlage schaffen.

Warum viele Software-Konzepte ihren Zweck verfehlen

Ein Software-Konzept entsteht meist in einer von zwei Situationen: Entweder ein Unternehmen erstellt es intern, oder ein externer Dienstleister liefert es als Teil eines Angebots. In beiden Fällen fehlt oft eine klare Vorstellung davon, was das Konzept eigentlich leisten soll.

Interne Konzepte leiden häufig darunter, dass sie zu nah am operativen Tagesgeschäft entstehen. Sie beschreiben, wie etwas heute funktioniert – nicht, welche Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden müssen. Externe Konzepte wiederum sind oft bereits auf eine bestimmte Lösung zugeschnitten. Sie beantworten nicht die Frage "Was brauchen wir?", sondern "Wie setzen wir das um?".

Das Ergebnis: Dokumente, die detailliert aussehen, aber die eigentlichen Entscheidungsfragen offen lassen.

Typische Missverständnisse über Software-Konzepte

"Je technischer, desto besser." Ein Software-Architektur-Konzept hat seine Berechtigung – aber erst nach der konzeptionellen Klärung. Wer zu früh in technische Details einsteigt, überspringt die Frage, ob das Vorhaben überhaupt so umgesetzt werden sollte. Technische Tiefe ohne fachliche Klarheit führt zu Lösungen, die am Bedarf vorbeigehen.

"Das Lastenheft ist unser Konzept." Ein Lastenheft beschreibt Anforderungen aus Auftraggebersicht. Es sagt, was gewünscht wird. Ein Konzept geht weiter: Es bewertet diese Anforderungen, zeigt Widersprüche auf, identifiziert Abhängigkeiten und ermöglicht eine informierte Entscheidung. Das Lastenheft ist Rohmaterial, nicht Ergebnis.

"Mehr Detail bedeutet mehr Sicherheit." Hundert Seiten Dokumentation können weniger Klarheit bieten als zwanzig Seiten mit den richtigen Inhalten. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern ob die relevanten Fragen beantwortet werden. Detail ohne Struktur erschwert Entscheidungen, statt sie zu erleichtern.

Was ein Software-Konzept enthalten muss

Ein gutes Software-Konzept beantwortet die Fragen, die vor einer Umsetzungsentscheidung geklärt sein müssen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Problemstellung und Zielsetzung

Warum soll die Software entstehen? Welches Problem wird gelöst? Diese Fragen klingen banal, werden aber erstaunlich oft nicht präzise beantwortet. Ein Konzept muss den Ausgangspunkt klar benennen – sonst fehlt der Maßstab für alle weiteren Entscheidungen.

Abgrenzung des Vorhabens

Was gehört zum Projekt, was nicht? Wo endet die geplante Software, wo beginnen angrenzende Systeme? Eine klare Abgrenzung verhindert, dass der Projektumfang während der Umsetzung unkontrolliert wächst.

Fachliche Anforderungen

Welche Funktionen werden benötigt? Hier geht es um das Was, nicht um das Wie. Die Anforderungen sollten so formuliert sein, dass ein Fachbereich sie versteht – nicht nur ein Entwickler. Ein gutes Software-Fachkonzept beschreibt Prozesse und Regeln, keine Datenbanktabellen.

Abhängigkeiten und Schnittstellen

Keine Software existiert isoliert. Welche bestehenden Systeme sind betroffen? Welche Daten müssen wohin fließen? Diese Fragen haben oft größeren Einfluss auf Aufwand und Risiko als die eigentlichen Funktionen.

Rahmenbedingungen und Einschränkungen

Gibt es technische Vorgaben, rechtliche Anforderungen, Budgetgrenzen? Diese Faktoren begrenzen den Lösungsraum und müssen früh bekannt sein.

Bewertung von Alternativen

Ein Konzept, das nur einen Weg beschreibt, ist kein Konzept – es ist ein Vorschlag. Ein gutes Konzept zeigt Alternativen auf und macht transparent, warum eine bestimmte Richtung empfohlen wird. Das schließt auch die Option ein, gar nicht zu entwickeln.

Aufwand und Risiken

Wie groß ist das Vorhaben? Welche Unsicherheiten bestehen? Ein Konzept muss keine exakten Zahlen liefern, aber eine realistische Einordnung ermöglichen. Ohne diese Einschätzung ist keine kaufmännische Entscheidung möglich.

Wie Sie prüfen, ob Ihr Konzept ausreicht

Ein einfacher Test: Können Sie auf Basis des Konzepts folgende Fragen beantworten?

  • Ist klar, welches Problem gelöst werden soll?
  • Lässt sich der Projektumfang gegenüber Dritten erklären?
  • Können verschiedene Anbieter auf dieser Basis vergleichbare Angebote erstellen?
  • Sind die wichtigsten Risiken benannt?
  • Gibt es eine nachvollziehbare Empfehlung für das weitere Vorgehen?

Wenn Sie bei einer dieser Fragen zögern, erfüllt das Konzept seinen Zweck noch nicht.

Der Unterschied zwischen Konzept und Umsetzungsdokumentation

Ein Software-Konzept ist kein Pflichtenheft und keine technische Spezifikation. Diese Dokumente haben ihre Berechtigung, aber sie entstehen später – wenn die grundsätzlichen Entscheidungen getroffen sind.

Das Konzept klärt: Was wollen wir erreichen und wie ordnen wir das Vorhaben ein?

Das Pflichtenheft klärt: Wie soll die Lösung im Detail funktionieren?

Die technische Spezifikation klärt: Wie wird die Lösung gebaut?

Diese Reihenfolge ist wichtig. Wer zu früh ins Detail geht, bindet sich an Lösungen, bevor die Problemstellung verstanden ist.

Wann ein externes Konzept sinnvoll ist

Nicht jedes Unternehmen muss ein Software-Konzept extern erstellen lassen. Bei überschaubaren Vorhaben mit klarem Scope kann ein erfahrener interner Projektleiter diese Aufgabe übernehmen.

Ein externes Konzept ist dann sinnvoll, wenn:

  • Die interne Perspektive zu nah am Tagesgeschäft ist
  • Neutralität gegenüber späteren Anbietern gewünscht ist
  • Die nötige Erfahrung mit Softwareprojekten fehlt
  • Das Vorhaben komplex genug ist, dass eine unabhängige Einordnung Mehrwert bietet

Der entscheidende Punkt: Wer das Konzept erstellt, sollte kein wirtschaftliches Interesse an einer bestimmten Lösung haben.

Fazit

Ein Software-Konzept ist kein Selbstzweck und keine Formalität. Es ist das Werkzeug, mit dem Sie eine fundierte Entscheidung treffen können – bevor Geld in die Umsetzung fließt.

Prüfen Sie bei Ihrem nächsten Vorhaben: Beantwortet Ihr Konzept die Entscheidungsfragen? Oder dokumentiert es nur, was ohnehin schon feststeht? Der Unterschied entscheidet darüber, ob Sie die Kontrolle über Ihr Projekt behalten.

Häufig gestellte Fragen

Ein Lastenheft beschreibt, was ein Auftraggeber will – aus seiner Perspektive, oft funktional gegliedert. Ein Software-Konzept geht weiter: Es ordnet diese Anforderungen ein, bewertet Abhängigkeiten, zeigt Alternativen auf und schafft eine Entscheidungsgrundlage. Das Lastenheft ist Input, das Konzept ist das Ergebnis einer Analyse.
Der Umfang hängt von der Komplexität des Vorhabens ab, nicht von einer Seitenvorgabe. Entscheidend ist, ob alle relevanten Fragen beantwortet werden können. Ein Konzept für eine einfache Webanwendung kann 15 Seiten haben, eines für ein komplexes ERP-Modul deutlich mehr. Mehr Seiten bedeuten nicht automatisch mehr Klarheit.
Idealerweise jemand, der unabhängig von der späteren Umsetzung ist. Das kann ein interner Projektleiter mit entsprechender Erfahrung sein oder ein externer Berater. Wichtig ist, dass keine Interessenkonflikte bestehen – wer das Konzept erstellt, sollte nicht automatisch auch umsetzen.
Genau das ist der Sinn eines guten Konzepts. Es beschreibt das Vorhaben so, dass verschiedene Anbieter vergleichbare Angebote erstellen können. Ohne diese Grundlage vergleichen Sie Äpfel mit Birnen – jeder Anbieter interpretiert Ihre Anforderungen anders.
Änderungen sind normal und ein Konzept ist kein starres Dokument. Ein gutes Konzept macht aber transparent, welche Auswirkungen Änderungen haben – auf Kosten, Zeitplan und andere Anforderungen. Diese Transparenz fehlt oft, wenn ohne Konzept gearbeitet wird.

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