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Warum Technologie selten das eigentliche Problem ist

Viele Softwareprojekte scheitern nicht an der falschen Technologie, sondern an fehlenden Zielbildern und unklaren Entscheidungsgrundlagen. Warum der Fokus auf Tools oft vom eigentlichen Problem ablenkt.

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Warum Technologie selten das eigentliche Problem ist

Warum Technologie selten das eigentliche Problem ist

Technologie als vermeintlicher Erfolgsfaktor

In vielen Unternehmen beginnt die Diskussion über ein neues Softwareprojekt mit der Frage: Welche Technologie nehmen wir? React oder Angular? Cloud oder On-Premise? Eigenentwicklung oder Standardsoftware?

Diese Fragen sind nicht unwichtig. Aber sie werden zu früh gestellt.

Die Software-Technologie-Entscheidung wird oft zum zentralen Thema, bevor grundlegende Fragen geklärt sind: Was soll die Software eigentlich leisten? Für wen? Unter welchen Rahmenbedingungen? Mit welchen Abhängigkeiten?

Das Ergebnis: Technologie wird zum Selbstzweck. Die eigentlichen Entscheidungen bleiben offen.

Warum der Fokus auf Tools so verbreitet ist

Die Fixierung auf Technologie hat nachvollziehbare Gründe.

Technologie ist greifbar. Man kann sie vergleichen, benchmarken, in Demos zeigen. Sie liefert konkrete Antworten auf abstrakte Fragen. Das gibt ein Gefühl von Fortschritt, auch wenn die wichtigen Fragen noch offen sind.

Technologie ist ein sicheres Terrain. Entwickler kennen sich damit aus. Anbieter haben Präsentationen vorbereitet. Es gibt Studien, Vergleiche, Best Practices. Über Technologie lässt sich reden, ohne unangenehme Fragen nach Zielen und Prioritäten stellen zu müssen.

Technologie ist eine Abkürzung. Die Hoffnung: Wenn wir die richtige Technologie wählen, lösen sich andere Probleme von selbst. Das Projekt wird schneller, günstiger, erfolgreicher. Diese Hoffnung ist verständlich, aber sie geht selten auf.

Was dabei untergeht: Technologie ist ein Werkzeug. Sie beantwortet nicht die Frage, was gebaut werden soll.

Typische Fehleinschätzungen bei der Technologiewahl

Die beste Technologie garantiert den Projekterfolg

Es gibt keine objektiv beste Technologie. Es gibt nur passende und unpassende Lösungen für konkrete Anforderungen. Ein Projekt kann mit einer vermeintlich veralteten Technologie erfolgreich sein und mit dem neuesten Framework scheitern. Der Unterschied liegt selten in der Technologie selbst.

Architekturentscheidungen sind Technologieentscheidungen

Architektur und Technologie werden oft gleichgesetzt. Dabei ist Software-Architektur eine Strukturentscheidung: Wie wird das System aufgebaut? Wie kommunizieren die Teile miteinander? Welche Abhängigkeiten entstehen?

Diese Fragen lassen sich weitgehend unabhängig von konkreten Technologien beantworten. Eine gute Software-Architektur-Entscheidung schafft die Grundlage dafür, dass verschiedene Technologien überhaupt in Frage kommen.

Frühe Technologiefestlegung spart Zeit

Das Gegenteil ist oft der Fall. Wer sich früh auf eine Technologie festlegt, schränkt den Lösungsraum ein, bevor das Problem verstanden ist. Spätere Anpassungen werden teuer, weil sie gegen bereits getroffene Entscheidungen arbeiten.

Technologiekompetenz ersetzt Anforderungsklarheit

Ein erfahrenes Entwicklungsteam kann technische Herausforderungen lösen. Was es nicht kann: unklare oder widersprüchliche Anforderungen in eine funktionierende Software verwandeln. Technologiekompetenz ist wertvoll, aber sie ersetzt nicht die Arbeit an den Grundlagen.

Was vor der Technologieentscheidung geklärt sein sollte

Eine fundierte Software-Technologie-Entscheidung setzt voraus, dass bestimmte Fragen beantwortet sind. Nicht alle, aber die wesentlichen.

Zielbild: Was soll die Software für das Unternehmen leisten? Welches Problem wird gelöst? Welcher Zustand wird angestrebt? Ohne Zielbild fehlt jeder Technologieentscheidung der Maßstab.

Anforderungen: Welche Funktionen sind notwendig, welche optional? Welche Qualitätsanforderungen gelten? Was sind die Rahmenbedingungen bezüglich Sicherheit, Skalierbarkeit, Integration?

Rahmenbedingungen: Welche bestehenden Systeme müssen integriert werden? Welche Kompetenzen sind intern vorhanden? Welche externen Abhängigkeiten bestehen?

Entscheidungskriterien: Nach welchen Maßstäben wird die Technologie bewertet? Kosten, Wartbarkeit, Verfügbarkeit von Fachkräften, strategische Passung?

Erst wenn diese Punkte zumindest in Grundzügen geklärt sind, wird eine Technologiediskussion produktiv. Vorher dreht sie sich im Kreis.

Architektur als Mittel, nicht als Zweck

Ein gutes Software-Konzept trennt bewusst zwischen dem, was erreicht werden soll, und dem, wie es technisch umgesetzt wird.

Architektur ist dabei das Bindeglied. Sie übersetzt Anforderungen in eine Struktur, die mit verschiedenen Technologien realisiert werden kann. Eine gute Architekturentscheidung reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Technologien und schafft Flexibilität für die Zukunft.

Das bedeutet nicht, dass Architektur beliebig ist. Sie muss zu den Anforderungen passen, zu den vorhandenen Kompetenzen, zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Aber sie sollte nicht von einer vorgezogenen Technologieentscheidung diktiert werden.

In der Praxis heißt das: Erst das Konzept, dann die Architektur, dann die Technologie. Diese Reihenfolge wird oft umgekehrt – mit entsprechenden Konsequenzen.

Handlungsempfehlungen für Entscheider

Trennen Sie die Diskussionen. Führen Sie Gespräche über Ziele und Anforderungen getrennt von Technologiediskussionen. Das verhindert, dass Technologiepräferenzen die Anforderungsklärung beeinflussen.

Fordern Sie Begründungen ein. Wenn Technologieempfehlungen ausgesprochen werden, fragen Sie nach den Kriterien. Welche Anforderungen werden damit erfüllt? Welche Alternativen wurden geprüft? Welche Risiken bestehen?

Schaffen Sie eine neutrale Grundlage. Ein technologieunabhängiges Konzept ermöglicht es, verschiedene Umsetzungsoptionen sachlich zu vergleichen. Es macht die Entscheidungskriterien explizit und nachvollziehbar.

Akzeptieren Sie Unsicherheit. Nicht alle Fragen lassen sich vor Projektbeginn klären. Aber die wesentlichen sollten beantwortet sein. Lieber eine bewusste Entscheidung unter Unsicherheit als eine unbewusste Festlegung durch Nicht-Entscheiden.

Prüfen Sie die Reihenfolge. Wenn in Ihrem Projekt bereits intensiv über Technologien diskutiert wird, aber grundlegende Anforderungen noch unklar sind, stimmt die Reihenfolge nicht. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Beobachtung. Sie lässt sich korrigieren.

Fazit

Die Frage nach der richtigen Technologie ist berechtigt. Aber sie kommt oft zu früh. Projekte scheitern selten an der falschen Technologie. Sie scheitern an fehlenden Zielbildern, unklaren Anforderungen und Entscheidungen, die auf unvollständiger Grundlage getroffen wurden.

Technologie ist ein Werkzeug. Sie löst Probleme, die vorher definiert wurden. Sie ersetzt nicht die Arbeit an den Grundlagen. Wer diese Reihenfolge respektiert, trifft bessere Entscheidungen – unabhängig davon, welche Technologie am Ende gewählt wird.

Häufig gestellte Fragen

Eine fundierte Technologieentscheidung ist erst möglich, wenn Ziele, Anforderungen und Rahmenbedingungen geklärt sind. In der Praxis bedeutet das: Erst das Problem verstehen, dann die Lösung wählen. Technologie ist das Mittel, nicht der Ausgangspunkt.
Indem Sie die Diskussion bewusst verschieben. Klären Sie zunächst, was die Software leisten soll und welche Rahmenbedingungen gelten. Ein neutrales Konzept, das nicht an eine bestimmte Technologie gebunden ist, schafft die Grundlage für eine sachliche Technologiewahl.
Nicht zwingend. Was Sie brauchen, ist Klarheit über Ihre Anforderungen und eine strukturierte Entscheidungsgrundlage. Architektur ergibt sich dann als logische Konsequenz. Bei komplexen Vorhaben kann externe Unterstützung helfen, aber auch hier gilt: Erst das Zielbild, dann die Architektur.
Weniger als eine falsche Entscheidung zu früh zu treffen. Ein später Technologiewechsel ist teuer. Eine bewusste Verzögerung, um erst Klarheit zu schaffen, ist eine Investition in die Entscheidungsqualität. Die eigentlichen Kosten entstehen durch fehlende Zielbilder, nicht durch sorgfältige Vorbereitung.
Präferenzen sind legitim, aber sie sollten nicht die Entscheidung dominieren. Machen Sie die Kriterien explizit: Was muss die Software leisten? Welche Rahmenbedingungen gelten? Dann lässt sich sachlich prüfen, welche Technologie diese Anforderungen am besten erfüllt.

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