Wenn man es der KI falsch sagt, kommt auch etwas Falsches raus
Sie haben ChatGPT, Claude oder ein anderes KI-System ausprobiert. Die Antwort klang gut – bis Sie merkten, dass sie falsch war. Vielleicht wurden Fakten erfunden. Vielleicht war die Logik fehlerhaft. Vielleicht wurde etwas völlig anderes beantwortet, als Sie meinten.
Das ist frustrierend, aber es ist kein Zufall. Und in den meisten Fällen liegt das Problem nicht bei der KI.
Warum KI falsche Ergebnisse liefert
Sprachmodelle wie GPT oder Claude funktionieren grundlegend anders als eine Datenbank oder eine Suchmaschine. Sie berechnen Wahrscheinlichkeiten dafür, welches Wort als nächstes folgen sollte – basierend auf Mustern, die sie aus Milliarden von Texten gelernt haben.
Das bedeutet: Diese Systeme verstehen Ihre Frage nicht im menschlichen Sinn. Sie erkennen Muster und generieren Text, der statistisch plausibel ist. Ob dieser Text faktisch richtig ist, ob er Ihre eigentliche Frage beantwortet oder ob er auf Ihren spezifischen Kontext passt – das kann das Modell nicht beurteilen.
Die alte Informatiker-Weisheit "Garbage in, garbage out" gilt hier verschärft: Unklare Eingaben führen nicht einfach zu keiner Antwort, sondern zu überzeugend formulierten falschen Antworten.
Das Risiko der plausiblen Antwort
Das eigentliche Problem mit KI-Fehlern ist nicht, dass sie passieren. Das Problem ist, dass man sie schwer erkennt.
Eine falsche Antwort von einem KI-System sieht genauso aus wie eine richtige: grammatisch korrekt, logisch aufgebaut, mit Fachbegriffen an den richtigen Stellen. Sprachmodelle sind trainiert, überzeugend zu klingen – nicht, richtig zu liegen.
Wer wenig über ein Thema weiß, hat kaum eine Chance, die Fehler zu bemerken. Wer viel darüber weiß, braucht die KI für diesen Teil möglicherweise gar nicht. Dieses Paradox macht den produktiven Einsatz anspruchsvoller, als es die einfache Bedienbarkeit vermuten lässt.
Typische Missverständnisse im Umgang mit KI
"Die KI versteht doch, was ich meine." Nein. Ein Sprachmodell hat keinen Zugang zu Ihrem Kontext, Ihren Vorannahmen oder dem, was Sie nicht explizit geschrieben haben. Es interpretiert Ihre Eingabe auf Basis von Sprachmustern. Wenn Sie fragen "Wie löse ich das Problem?", ohne das Problem zu beschreiben, rät das System.
"Ich habe doch alles erklärt." Wahrscheinlich nicht. Die meisten Menschen unterschätzen, wie viel implizites Wissen sie in ihren Formulierungen voraussetzen. Was für Sie offensichtlich ist – etwa dass mit "System" Ihre interne Software gemeint ist und nicht Betriebssysteme im Allgemeinen – muss für ein Sprachmodell nicht erkennbar sein.
"Die KI sollte nachfragen, wenn etwas unklar ist." Die meisten Modelle sind darauf optimiert, hilfreiche Antworten zu geben – nicht darauf, Rückfragen zu stellen. Sie füllen Unklarheiten lieber mit plausiblen Annahmen, als zuzugeben, dass sie nicht wissen, was Sie meinen.
"Längere Prompts sind besser." Nicht unbedingt. Mehr Text ist nur dann hilfreich, wenn er relevante Informationen enthält. Unstrukturierte Textwände können genauso zu Fehlern führen wie zu knappe Eingaben – das Modell weiß dann nicht, worauf es sich konzentrieren soll.
Wann das Problem bei Ihnen liegt – und wann nicht
Nicht jeder KI-Fehler ist ein Prompt-Fehler. Manche Aufgaben überfordern aktuelle Sprachmodelle strukturell. Aber es lohnt sich, zu unterscheiden:
Ursache auf Ihrer Seite:
- Begriffe werden verwendet, ohne sie zu definieren
- Der Kontext fehlt oder ist widersprüchlich
- Die eigentliche Frage ist in der Eingabe nicht erkennbar
- Erwartungen an das Ergebnis sind nicht formuliert
Ursache auf Seiten der Technologie:
- Das Modell erfindet Fakten (sogenannte Halluzinationen)
- Aktuelle Informationen fehlen, weil das Wissen veraltet ist
- Komplexe logische oder mathematische Schlüsse werden falsch gezogen
- Fachspezifische Zusammenhänge werden missverstanden
Die erste Kategorie können Sie beeinflussen. Die zweite müssen Sie kennen, um Ihre Erwartungen anzupassen.
Was Sie konkret tun können
Begriffe klären, bevor Sie sie verwenden. Wenn Sie "unser CRM" schreiben, weiß das Modell nicht, welches System Sie meinen, welche Funktionen es hat oder welche Probleme damit bestehen. Beschreiben Sie, was Sie meinen – zumindest beim ersten Mal.
Kontext mitliefern, statt ihn vorauszusetzen. Ein Sprachmodell weiß nicht, in welcher Branche Sie arbeiten, welche Systeme Sie einsetzen oder welche Entscheidung Sie gerade treffen wollen. Je mehr relevanten Kontext Sie liefern, desto passender wird die Antwort.
Das gewünschte Ergebnis beschreiben. Brauchen Sie eine Liste, einen Fließtext, eine Entscheidungsvorlage? Für wen ist das Ergebnis gedacht? Was soll damit passieren? Diese Angaben helfen dem Modell, den richtigen Fokus zu setzen.
Ergebnisse prüfen, nicht übernehmen. KI-generierte Inhalte sind Entwürfe, keine fertigen Produkte. Behandeln Sie sie entsprechend – besonders bei Faktenaussagen, Zahlen oder Fachthemen.
Der eigentliche Punkt
Die Qualität von KI-Ergebnissen hängt davon ab, wie klar Sie selbst wissen, was Sie wollen – und wie präzise Sie es formulieren können.
Das ist keine Kritik. Es ist eine Beobachtung, die für viele Bereiche gilt: Software-Projekte scheitern selten an der Technik und häufig an unklaren Anforderungen. Prozesse werden ineffizient, weil niemand definiert hat, was eigentlich erreicht werden soll. Und KI liefert falsche Ergebnisse, weil die Eingabe das Richtige nicht enthielt.
Wer KI produktiv einsetzen will, beginnt nicht mit dem perfekten Prompt. Er beginnt damit, die eigene Aufgabe, die eigenen Begriffe und die eigenen Erwartungen zu klären.
Fazit
KI-Systeme sind leistungsfähige Werkzeuge, aber sie sind keine Gedankenleser. Sie arbeiten mit dem, was Sie ihnen geben – nicht mehr und nicht weniger.
Die meisten Fehler entstehen nicht durch schlechte Technologie, sondern durch unklare Kommunikation: fehlende Begriffsdefinitionen, implizite Annahmen, unausgesprochene Erwartungen. Das gilt für den Umgang mit KI genauso wie für die Zusammenarbeit mit menschlichen Dienstleistern oder internen Teams.
Wer bessere Ergebnisse will, arbeitet zuerst an der eigenen Klarheit. Der Rest folgt.
Häufig gestellte Fragen
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