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ChatGPT, Claude Code, Gemini: Tool-Entscheidungen ohne Strategie

Warum der Vergleich von LLMs ohne Kontext wertlos ist – und welche Fragen Sie vorher beantworten sollten.

#KI-Strategie#Technologieentscheidung#LLM-Auswahl#Softwareentwicklung
ChatGPT, Claude Code, Gemini: Tool-Entscheidungen ohne Strategie

ChatGPT, Claude Code, Gemini: Tool-Entscheidungen ohne Strategie

Die Suchmaschine liefert Tausende Ergebnisse zum ChatGPT Claude Gemini Vergleich. Benchmark-Tabellen, Feature-Listen, Preisvergleiche. Wer sich als IT-Leitung oder Geschäftsführung mit dem Einsatz von Large Language Models beschäftigt, landet schnell bei der Frage: Welches Tool ist das richtige?

Diese Frage ist nachvollziehbar. Aber sie kommt zu früh.

Warum alle über Tools reden

Die öffentliche Diskussion um KI-Tools wird von den Anbietern selbst geprägt. OpenAI, Anthropic und Google investieren erhebliche Mittel in Marketing und Positionierung. Die Folge: Die Wahrnehmung konzentriert sich auf Produkte statt auf Problemstellungen.

Hinzu kommt der Druck, nicht den Anschluss zu verlieren. Wenn der Wettbewerb bereits ChatGPT einsetzt, entsteht das Gefühl, ebenfalls handeln zu müssen. Die Tool-Frage erscheint als der naheliegende erste Schritt.

Für Unternehmen, die KI-Tools in der Softwareentwicklung oder anderen Bereichen einsetzen wollen, ist das eine problematische Ausgangslage. Denn die Tool-Entscheidung setzt Antworten auf Fragen voraus, die oft noch gar nicht gestellt wurden.

Was ChatGPT, Claude und Gemini tatsächlich unterscheidet

Auf technischer Ebene unterscheiden sich die großen Sprachmodelle in mehreren Dimensionen:

Architektur und Training: Jedes Modell basiert auf unterschiedlichen Trainingsdaten und Optimierungszielen. Das beeinflusst, wie das Modell auf verschiedene Aufgabentypen reagiert – von Textgenerierung über Analyse bis zu Codierung.

Schnittstellen und Integration: Die Modelle unterscheiden sich darin, wie sie sich in bestehende Systeme einbinden lassen. API-Dokumentation, verfügbare SDKs und Unterstützung für verschiedene Programmiersprachen variieren.

Preismodelle: Die Kostenstruktur reicht von nutzungsbasierten Modellen bis zu Pauschallizenzen. Je nach Anwendungsfall können die Unterschiede erheblich sein.

Datenschutz und Compliance: Wo werden Daten verarbeitet? Welche Zertifizierungen liegen vor? Wie sieht die vertragliche Regelung aus? Die Antworten unterscheiden sich je nach Anbieter und Produkt.

Diese Unterschiede sind real. Aber sie sind nur dann relevant, wenn klar ist, wofür das Tool eingesetzt werden soll.

Das eigentliche Problem: Der fehlende Kontext

Ein Benchmark, der zeigt, dass Modell A bei mathematischen Aufgaben besser abschneidet als Modell B, ist für Ihre Entscheidung irrelevant – wenn Sie keine mathematischen Aufgaben lösen wollen.

Die LLM-Auswahl im Unternehmen scheitert selten an fehlenden Informationen über die Tools. Sie scheitert an fehlendem Kontext für die Bewertung.

Typische Fragen, die vor der Tool-Auswahl beantwortet werden müssten:

  • Welches konkrete Problem soll gelöst werden?
  • Wer sind die Nutzer und was erwarten sie?
  • Welche Daten fließen in das System und welche Anforderungen gelten dafür?
  • Wie fügt sich die Lösung in bestehende Prozesse und Systeme ein?
  • Welches Budget steht zur Verfügung – für Einführung und laufenden Betrieb?
  • Wie messen wir, ob die Lösung funktioniert?

Ohne Antworten auf diese Fragen ist jeder Tool-Vergleich eine Übung im Abstrakten.

Warum Feature-Vergleiche in die Irre führen

Es liegt nahe, die verfügbaren Tools anhand ihrer Eigenschaften zu vergleichen. Mehr Kontext-Fenster, schnellere Antwortzeiten, bessere Performance bei bestimmten Benchmarks – die Listen sind lang.

Das Problem: Feature-Vergleiche suggerieren Objektivität, wo keine sein kann. Ob ein größeres Kontext-Fenster für Ihren Anwendungsfall relevant ist, hängt davon ab, was Sie mit dem Tool tun wollen. Ob die Benchmark-Performance auf Ihre Aufgaben übertragbar ist, lässt sich nur mit Tests im eigenen Kontext klären.

Hinzu kommt die Dynamik des Marktes. Die Modelle entwickeln sich schnell weiter. Ein Vorteil von heute kann in drei Monaten verschwunden sein. Wer seine Entscheidung auf einen Feature-Vergleich von heute stützt, baut auf Sand.

Strategie vor Plattform

Der Ruf nach einer KI-Strategie klingt nach Aufwand und Verzögerung. Aber das Gegenteil ist der Fall: Wer ohne Strategie startet, verliert mehr Zeit durch Fehlentscheidungen und Kurskorrekturen.

Eine Strategie muss dabei keine umfangreiche Ausarbeitung sein. Es geht um Klarheit in wenigen zentralen Punkten:

Anwendungsfall definieren: Was genau soll das Tool leisten? Nicht in technischen Begriffen, sondern in Ergebnissen für das Unternehmen.

Randbedingungen klären: Welche Anforderungen an Datenschutz, Sicherheit und Compliance gelten? Welche bestehenden Systeme müssen berücksichtigt werden?

Erfolgskriterien festlegen: Woran erkennen Sie, dass die Lösung funktioniert? Welche Kennzahlen sind relevant?

Ressourcen einschätzen: Welches Budget ist realistisch? Welche internen Kapazitäten stehen zur Verfügung?

Erst wenn diese Punkte geklärt sind, wird die Tool-Frage beantwortbar.

Der Weg zu einer fundierten Entscheidung

Die Reihenfolge macht den Unterschied:

Schritt 1: Problem verstehen. Bevor Sie über Lösungen nachdenken, sollten Sie das Problem präzise beschreiben können. Was funktioniert heute nicht? Was soll besser werden? Wer ist betroffen?

Schritt 2: Anforderungen ableiten. Aus dem Problemverständnis ergeben sich Anforderungen. Diese sollten technologieneutral formuliert sein – also nicht "wir brauchen ein LLM mit X Token Kontext", sondern "die Lösung muss Dokumente bis zu Y Seiten verarbeiten können".

Schritt 3: Optionen bewerten. Erst jetzt kommt die Tool-Frage ins Spiel. Mit klaren Anforderungen lassen sich die verfügbaren Optionen systematisch bewerten – nicht nur LLMs, sondern auch alternative Lösungsansätze.

Schritt 4: Testen. Kein Vergleich ersetzt den Test im eigenen Kontext. Pilotprojekte mit begrenztem Umfang liefern Erkenntnisse, die kein Benchmark bieten kann.

Dieser Prozess braucht Zeit. Aber er ist schneller als der Umweg über eine falsche Tool-Entscheidung.

Wann externe Unterstützung sinnvoll ist

Nicht jedes Unternehmen hat die internen Ressourcen, um diesen Prozess eigenständig zu durchlaufen. Gerade wenn KI-Erfahrung fehlt, kann eine externe Perspektive helfen.

Wichtig ist dabei die Unabhängigkeit. Wer von einem Anbieter beraten wird, erhält keine neutrale Einschätzung. Die Empfehlung wird immer in Richtung der eigenen Produkte tendieren – bewusst oder unbewusst.

Eine unabhängige Entscheidungsgrundlage dokumentiert Anforderungen, bewertet Optionen nach nachvollziehbaren Kriterien und gehört dem Auftraggeber. Sie schafft die Basis für eine fundierte Tool-Entscheidung – und für spätere Kurskorrekturen, falls sich der Markt ändert.

Die Tool-Frage richtig stellen

Der Vergleich von ChatGPT, Claude und Gemini ist nicht falsch. Er ist nur verfrüht, wenn der Kontext fehlt.

Bevor Sie Zeit in Feature-Vergleiche und Benchmark-Analysen investieren, sollten Sie wissen, welches Problem Sie lösen wollen. Die Antwort auf diese Frage bestimmt, welche Tool-Eigenschaften überhaupt relevant sind.

Das klingt selbstverständlich. In der Praxis wird dieser Schritt dennoch oft übersprungen – aus Zeitdruck, aus dem Gefühl, handeln zu müssen, oder weil die Tool-Frage greifbarer erscheint als die Strategiefrage.

Die Investition in Klarheit zahlt sich aus. Nicht nur bei der initialen Entscheidung, sondern auch bei jeder späteren Anpassung.

Fazit

Der Vergleich von ChatGPT, Claude und Gemini ist nicht falsch. Er ist nur verfrüht, wenn der Kontext fehlt.

Die Frage "Welches LLM ist das beste?" lässt sich nicht allgemein beantworten – und der Versuch, sie zu beantworten, führt oft in die falsche Richtung. Relevanter ist die Frage: Welches Problem wollen wir lösen, und welche Anforderungen ergeben sich daraus?

Wer diese Vorarbeit leistet, kann Tool-Vergleiche sinnvoll nutzen. Wer sie überspringt, riskiert eine Entscheidung, die auf den falschen Kriterien basiert.

Die Investition in Klarheit zahlt sich aus. Nicht nur bei der initialen Entscheidung, sondern auch bei jeder späteren Anpassung – denn in einem Markt, der sich so schnell bewegt, wird die nächste Tool-Frage nicht lange auf sich warten lassen.

Häufig gestellte Fragen

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Eignung hängt von Ihrem konkreten Anwendungsfall, Ihren Datenschutzanforderungen, dem benötigten Integrationsaufwand und Ihrem Budget ab. Ein Tool, das für ein Unternehmen funktioniert, kann für ein anderes ungeeignet sein – selbst in derselben Branche.
Für die meisten mittelständischen Unternehmen ist ein eigenes Modell weder wirtschaftlich sinnvoll noch notwendig. Die Kosten für Training und Betrieb übersteigen typischerweise den Nutzen deutlich. Sinnvoller ist meist die Nutzung bestehender Modelle über APIs – mit klaren Richtlinien für Datenschutz und Nutzung.
Vendor Lock-in lässt sich reduzieren, indem Sie Ihre Anwendung so konzipieren, dass das LLM austauschbar bleibt. Das erfordert eine saubere Architektur und klare Schnittstellen. Diese Überlegung gehört in die Konzeptionsphase – nicht in die Tool-Auswahl.
Die Tool-Entscheidung sollte erst fallen, wenn Sie wissen, welches Problem Sie lösen wollen, welche Anforderungen Sie haben und welche Randbedingungen gelten. Ohne diese Klarheit vergleichen Sie Äpfel mit Birnen.
Nicht zwingend für die Entscheidungsfindung. Wichtiger ist, dass Sie Ihre fachlichen Anforderungen präzise beschreiben können. Die technische Bewertung kann extern erfolgen – solange sie unabhängig von Anbietern geschieht.

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